Weltweit fliehen 50 Millionen Menschen vor Hunger, Krieg und Vertreibung. 1000 bis 2000 davon landen jährlich in Göttingen - weit mehr, als in den Jahren zuvor. Doch während anderswo Flüchtlingsheime brennen, heisst Göttingen Geflüchtete willkommen. Denn Ehrenamtliche leisten einen Beitrag zu einer Willkommenskultur, wie sie nur wenige Städte kennen: Studenten organisieren Sprachkurse und Begegnungscafes, Ehrenamtliche Helfer assistieren im Alltag und im Facebook sammeln Göttinger Spenden für Flüchtlingsheime.

Mit unserer Serie "Willkommenskultur" wollen wir das Engagement für Geflüchtete in Göttingen sicht und hör-bar machen. Immer Freitags um 17:10 Uhr geht es dann um die Frage, was man tun kann, um Geflüchteten zu helfen, welche Ideen vielleicht schon existieren und worauf es dabei ankommt.

Willkommenskultur: Das bedeutet Ehrenamtliche, die sich für Flüchtlinge einsetzen, Spenden sammeln, Deutschkurse geben und – allzu oft – Lücken füllen, die der Staat hinterlässt. Findet jedenfalls Prof. Dr. Sabine Hess. Die Migrationsforscherin von der Universität Göttingen ist unter anderem Mitglied im Rat für Migration, einem bundesweiten Expertengremium, dass sich schon lange mit der Asylpolitik beschäftigt. Zuletzt hatte der Rat für Migration explizit die Asylpolitik der Bundesregierung kritisiert und statt einer „Willkommenskultur“ eine „Willkommensstruktur“ gefordert.Christoph Höland hat nachgefragt, was damit gemeint ist.
Schaffen wir das wirklich? Das ist wohl die Frage, die man sich gerade landauf und landab stellt, wenn es um Flüchtlinge geht. Was in den Hintergrund rückt: Wie kann man das schaffen? Das hat sich auch Christoph Höland gefragt. Für unsere Reihe Willkommenskultur hat er bei Ehrenamtlichen nachgefragt, was derzeit helfen würde.
„Göttingen ist gut für Flüchtlinge“ - diese Aussage von Thomas Oppermann beschreibt ganz gut, wie derzeit die Stimmung in der Region ist. Denn seit die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland und damit auch in Göttingen steigt, leisten neben Institutionen und Verwaltungen vor allem Ehrenamtliche viel, um dem gerecht zu werden. Doch wie gut klappt das eigentlich und wie verhält sich ehrenamtliches Engagement eigentlich zur Asylpolitik? Das hat Michel Zschörnig mit Christoph Höland, der sich als Autor unserer Reihe „Willkommenskultur“ in den letzten Wochen mit Dutzenden von Flüchtlingsunterstützern unterhalten hat, diskutiert.
Die Willkommenskultur in Göttingen lässt sich sehen. Ganz wichtig sind mittlerweile die Ehrenamtlichen, die Geflüchteten an vielen Stellen unter die Arme greifen. Doch diese Ehrenamtlichen sind in den seltensten Fällen Profis und oft genug stellt das Engagement die Menschen vor neue Herausforderungen. Für unsere Reihe „Willkommenskultur“ hat Christoph Höland deshalb mit Elisabeth Klemens gesprochen. Klemens engagiert sich selber Geflüchtete, beruflich ist sie aber Supervisorin. Sie kennt sich also in der Arbeit mit Menschen bestens aus und erklärt, was Ehrenamtliche gegen Überarbeitung und Frust tun können.
Vor rund zwei Wochen kam alles sehr plötzlich: Weil das Erstaufnahmelager in Friedland überlastet ist, musste der Landkreis dringend neue Unterkünfte für Flüchtlinge beschaffen. Im Hau-Ruck-Verfahren ist jetzt eine Erstaufnahmeeinrichtung in Adelebsen entstanden. Adelebsen, das ist eigentlich ein kleiner, beschaulicher Flecken, wo bis zuletzt nur rund 15 Flüchtlinge untergebracht waren. Wie das mit der neuen Erstaufnahmeeinrichtung dort klappt, hat sich Christoph Höland für unsere Reihe „Willkommenskultur“ angesehen.